Ghostwriting - Fiktion und Wirklichkeit

(Kommentare: 2)

Wenn das Buch erscheint, ist unser Name nicht auf dem Einband zu lesen.

Wenn der Autor interviewt wird, sitzen wir nicht im Fernsehstudio.

Wir schmunzeln nur ein bisschen, wenn der Autor sagt "gestern habe ich weiter an meinem neuen Buch geschrieben".

Wir heißen Ghostwriter und schreiben Bücher für andere, unter deren Namen und in deren Auftrag. Wir sind die guten Geister hinter vielen Fach- und Sachbüchern oder Promi-Biografien, aber man kennt uns nicht - meistens.

Wie so ein Ghostwriting im Detail abläuft, darüber rankt sich oft geheimnisvolles Schweigen - dabei ist das Ganze gar kein so geheimnisvolles Tun. Außer vielleicht die Frage, wie man ein Buch schreibt. So generell. Und überhaupt.

So landen die Kunden üblicherweise bei mir.

"Ich möchte ein Buch schreiben - aber ich weiß nicht, wie das geht!"

So fängt eine Zusammenarbeit häufig an. In einem ersten Gespräch finde ich heraus, um was es genau geht, was das Thema sein soll und wie weit der Kunde mit seinem Vorhaben ist. Eine weitere Frage ist: Was wollen Sie mit einem eigenen Buch erreichen? Welchen Weg wollen Sie gehen?

Viele haben irgendwann eine Idee notiert, durchaus auch an einem Konzept gearbeitet, sind aber spätestens da ins Stocken geraten.

Interessiert das überhaupt einen Verlag?, denken sie. Kann ich das, ein Buch schreiben? Ich habe Null Ahnung.

Experten ohne Zeit fürs Bücherschreiben

Zu mir kommen gerne Experten auf ihren Gebieten - Trainer, Psychologinnen oder auch Wissenschafter. Menschen, die in ihrem Feld super sind und jede Menge wissen - aber nicht, wie man ein Buch schreibt und wie man damit einen Verlag begeistert. Müssen sie ja auch nicht - der Trainer hat genug damit zu tun, seine Teilnehmer zum Lernen zu motivieren und ihnen das Wissen beizubringen, für das sie im Training sind. Dazu kommt die Zeitfrage. Wann soll jemand, der voll ausgelastet ist, auch noch ein Buch schreiben?

Allerdings könnte ein eigenes Fach- oder Sachbuch gut für den Namen der Spezialistin und ihre Bekanntheit sein. Denn mit einem Buch steigen wiederum die Chancen auf Medienpräsenz.

Die ersten Schritte und dann ...?

Dann müssen wir über Geld reden.

Wir müssen ein Honorar für mich als Ghostwriter vereinbaren und den Inhalt des Auftrags - wieviel Text, wird auch das Exposé vom Ghostwriter verfasst und so weiter. Welcher Name wird genannt und welcher nicht? Tritt der Autor allein als Autor auf oder sind Autor und Ghostwriter sogenannte Co-Autoren? Jede Menge rechtliche Vereinbarungen sind zu treffen.

Das Honorar kann sich unterschiedlich gestalten: Ist eine Autorin bereits berühmt oder zumindest sehr bekannt, kann ein Verlag bereit sein, Autor und Ghostwriter zu bezahlen. Sehr oft muss man aber erst einmal einen Verlag überzeugen - und der Ghostwriter muss dafür Exposé und Leseprobe (oder auch das ganze Manuskript) schreiben. Das heißt, der Autor muss hier in Vorleistung gehen und den Ghostwriter bezahlen.

Ghostwriter, Co-Autorin, Lektorin?

Aber brauchen Sie überhaupt einen Ghostwriter? Es gibt ja noch andere Möglichkeiten. Die Übergänge zwischen Ghostwriter, Co-Autor und erweitertem Lektorat/redaktioneller Bearbeitung eines Textes sind ziemlich fließend.

Mitunter bekomme ich rohes Text-Material und formuliere den Text fast zur Gänze selbst aus.

Manchmal gibt es "nur" einen Packen Material, aus dem der Text entstehen soll - dann schreibe ich alles neu von Seite 1 an.

Oder der Kunde (genannt "Autor") gibt mir ein Interview (oder mehrere) und wir zurren gemeinsam fest, was im Buch stehen soll und so weiter. Auch hier schreibe ich das Manuskript von Anfang an neu.

Und wie lange dauert das ...?

Die Dauer, bis ein Buch fertig geschrieben ist, hängt ganz von der Art der Zusammenarbeit ab - siehe Abschnitt vor diesem. Für ein Lektorat genügen ein paar wenige Monate (vielleicht sogar nur 1 - 2). Interviews mit Ihnen als Autor führen und daraus ein Buch neu schreiben, kann schon mal 9 bis 12 Monate dauern, je nachdem, wieviele Bearbeitungsdurchgänge wir vereinbaren. Der Autor bekommt ja das Manuskript und kann noch Änderungswünsche anbringen, an manchen Stellen tauchen sicher auch noch Fragen auf, die ich als Ghostwriter nicht allein beantworten konnte - auch wenn Ghostwriter durchaus auch Dinge nachrecherchieren, ohne den Auftraggeber damit zu belästigen. Fragen erscheinen also nur im Manuskript (ich mache das gern als Notiz rechts außen), wenn sie wirklich anders nicht zu klären sind.

Sämtliche Änderungen macht man übrigens am besten mit der Änderungsfunktion, mit der man sie ablehnen oder annehmen kann.

Berühmte Ghostwriter ...

... kennt man nicht, weil sie genau das sind: im Verborgenen Schaffende.

Es gibt aber Romane über Ghostwriter. Zum Beispiel "Ghost" von Robert Harris. Auch wenn der Roman durchaus etwas übertrieben wirkt - immerhin geht es um die Biografie eines britischen Premiers - die Abläufe sind in vielen Fällen wiedererkennbar. Liest sich spannend - und hat gegen Ende einen Knalleffekt, der das Können des Autors ebenso zeigt wie betroffen macht.

Und wie findet man einen Ghostwriter?

Sie haben schon - hier auf dieser Seite zum Beispiel. :-) Ghostwriter sind mitunter auch Journalisten. Ich würde allerdings dringend dazu raten, dass Sie jemanden mit Ghostwriting-Erfahrung anheuern. Nur mit Erfahrung auch in der Verlagsbranche wird Ihr Ghostwriter wissen, ob eine Buchidee einen Verlag überzeugen kann - oder ob Sie Ablehnungen sammeln werden. Hier muss der Köder dem Fisch schmecken - also dem Verlag - nicht dem Angler - also Ihnen. Das heißt, Ihr Ghostwriter muss beim Exposé zu Ihrem künftigen Buch wissen, wie er es verkauft - der Inhalt und die Form müssen passen. Genau wie Thema und Leseprobe.

So und jetzt ... sind Sie dran!

Noch Fragen zum Thema?

Welche Erfahrungen haben Sie mit Ghostwriting bisher gemacht?

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Kommentar von Karin Jacob |

Sehr interessanter Artikel! Kurze und dennoch umfassende Erklärung, was ein Ghostwriter tut. Vielen Dank dafür!

Kommentar von Stefan Kappner |

Liebe Frau Bürkl,
das haben Sie gut beschrieben, besonders den fließenden Übergang zwischen Ghostwriting und Lektorat.
Viele Grüße,
Stefan Kappner

Antwort von Anni Bürkl

Danke, das höre ich gern!