Denkt die Leserschaft selbst?

(Kommentare: 1)

Denken Leserinnen und Leser eigentlich selbst? Oder muss man ihnen als Autor_in alles vorkauen?

 

Die Heldin hat braune, lockige halblange Haare, in ihrem WG-Zimmer steht der Schrank links und das Bett am Fenster ... zur Auflösung des Mordes bitte schön genau herleiten, warum dieser Täter überführt werden konnte ...

Manchmal - oder auch immer öfter - habe ich den Eindruck, dass Leserinnen und Leser kaum noch verstehen, wenn man sozusagen Eckdaten liefert, Skizzen anreißt, statt mit satten Farben zu malen.

Ist das so?

Ich schreibe zB. in meine Krimis immer ein Kapitel am Ende, in dem alles noch mal zusammengefasst bzw. die restlichen Fäden verknüpft werden. Trotzdem werde ich immer wieder gefragt, warum etwas jetzt genau so und so war - und ich dachte, es liegt quasi auf der Hand, manchmal hatte ich sogar die Angst, mich zu sehr zu wiederholen.

Gerade habe ich ein wirklich bewegendes Buch gelesen, den Roman "Ohne ein einziges Wort" von Rosie Walsh. Ein Liebesroman, aber viel mehr als das. Und wenn ich jetzt Meinungen dazu lese - das tue ich sowieso immer erst nachher! - variieren sie zwischen 2 Extremen: "wusste erst nicht, ob Heldin Sarah sympathisch" - und "aus XY Seiten hätte man auch X" machen können.

Für mich ist dieser Roman ein geradezu perfekt durchkomponierter Roman, mit Wendungen, die wirklich so, so gut sind, aber völlig unerwartet. Wenn man mitdenkt beim Lesen, kommen mir nämlich genau die kleinen Hinweise merkwürdig vor - und ich bin gleichzeitig mitfühlend mit der Heldin, weil ich eben ahne, dass sie etwas Furchtbares erlebt hat. Ihre diffusen Schuldgefühle, ein großer Verlust. (Mehr will ich hier wirklich nicht verraten - lest diesen Roman! Tut es einfach! Ich komme selten ins Schwärmen, hier war es der Fall - weil das Buch ein Knaller ist.) Das sollte man als Leserin halt auch alles wahrnehmen können.

Fazit: wie gehts euch damit? Als Leserin oder Bloggerin oder Autorin? Wollt ihr die Informationen mit der Faust aufs Auge? Wieviel Information ist für euch gut und wie klar muss sie für euch beschrieben werden?

 

 

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Kommentar von Laura |

Hallo Anni,

wir haben gerade schon auf Twitter diskutiert und dank deines Beispiels bin ich mir ziemlich sicher, dass wir an die gleichen Dinge denken.

Wollen Leser*innen überhaupt nicht mehr denken? Sind deshalb viele Verlagsbücher nur noch flach geschrieben?

Klar die Zeiten ändern sich, aber es ist so schade, wenn dadurch tolle Schreibtechniken ins Vergessen geraten.

Das einzige was wir tun können ist so zu schreiben, wie wir es toll finden, auch gegen den Strom.

Lg
Laura