Wie man (k)einen Verlag findet

(Kommentare: 1)

Einen Verlag finden - das große Fragezeichen jeder Schreib-Laufbahn.

Ihr denkt, bei mir war es anders?

Hihi.

Also ein Aspekt war schon anders bei mir.

Was glaubt ihr, warum ich einen Verlag gefunden habe - und andere wie du vielleicht (noch) nicht?

Na?

Weil mir irgendjemand "die Rutschn g'legt", also mich empfohlen hat?

Nein.

Weil ... (irgendwas mit Aussehen oder Alter einsetzen)?

Nein.

Die Wahrheit ist - und da müsst ihr jetzt stark sein! - ich bin hartnäckig dran geblieben. Ich habe weiter geschrieben, dazu gelernt, auch auf schmerzvolle Weise, warum meine Manuskripte oder Ideen nicht für eine Verlagsveröffentlichung geeignet waren. Und nein, das war wirklich nicht immer leicht, die Hoffnung wieder zusammenzukratzen. Zumindest einmal erinnere ich mich sehr genau, da hätte ich das Schreiben beinahe gelassen.

Eine veröffentlichte, erfolgreiche Autorin ist eine, die nie aufgegeben hat.

Die nach dem Schlag in die Magengrube (Ablehnungsbrief!) aufsteht, sich den Dreck aus den Kleidern beutelt, ein paar Mal durchschnauft - und weiter macht:

Analysieren, woran die Absage gelegen haben könnte.

Besser schreiben lernen: Bücher übers Schreiben können helfen, ebenso Romane lesen und analysieren, warum sie dir gefallen. Besuche Schreibseminare. Hole dir qualifiziertes Feedback zu deinem Text/deinem Romanvorhaben - bei einer Lektorin, in einem Schreibkurs oder /und auch von ebenfalls schreibenden Freundinnen.

Bis mein erster Roman (der Krimi "Schwarztee")in einem Verlag erschien, war ich 39 Jahre alt.

An Romanen gearbeitet habe ich seit ca. Mitte meiner Zwanzigerjahre. Ich sehe mich noch 2008 mit einer Kollegin darüber reden, warum's bei mir nicht klappt - und fragte: "Werde ich mit 40 immer noch keinen Verlag gefunden haben?"

Tatsächlich hatte ich zum 40. Geburtstag fast schon meinen 2. Verlags-Krimi in der Hand und Weiteres deutete sich an - bis jetzt sind es 12 Verlagsveröffentlichungen, juhu.

Auf dem Weg bis zur 1. Romanveröffentlichung im Verlag habe ich viel geschrieben.

Ja, auch vieles, wo ich heute froh bin, dass es im hauseigenen Giftschrank versenkt wurde. :-)

Dann einen Roman, den noch keiner wollte, für den ich aber den Theodor-Körner-Preis bekommen habe und einen weiteren Preis - diesen habe ich in einem damals schon verfügbaren On-Demand-Druckservice online herausgebracht.

Und dann kam ich mit allen möglichen Menschen in Kontakt, ua. den Mörderischen Schwestern, einer Vereinigung zur Förderung des Kriminalromans von Frauen. Ich habe von meiner Mentorin viel gelernt und auch allgemein immer die Ohren gespitzt.

Dann kamen ein paar Dinge zusammen - ich habe Berenike erfunden, meine Teelady-Heldin als Ermittlerin - und ich habe gelernt, wie man das in ein Exposé gießt. Ich habe schmerzhafte aber hilfreiche Rückmeldungen zum Manuskript erhalten, für die ich heute noch dankbar sind. Jaja, zum Beispiel so Sachen wie: den Mord als Rückblick aus Sicht am nächsten Morgen erzählen - nein, das kommt nicht so besonders gut oder spannend an. Auch den ach so guten Prolog habe ich schweren Herzens gekillt.

Und dann habe ich weiter nach einem Verlag gesucht.

Ich habe es mir so ausgedacht, immer 3 anzuschreiben - zB. einen großen, einen mittleren, einen kleinen. Oder: einen österreichischen und zwei deutsche. Von dieser Vorgehensweise versprach ich mir, genauer herausfinden zu können, wo dieses Manuskript eher hinpasst - kleiner oder großer, deutscher oder österreichischer Verlag, oder ein auf Krimi spezialisierter Verlag usw.

Damit bekam ich noch mehr Rückmeldungen, eine Verlagsmitarbeiterin hat mich sogar angerufen und lange mit mir gesprochen, warum sie das Manuskript so nicht veröffentlichen.

Schließlich, nach über 10 Bewerbungen und so rückblickend witzigen Ablehnungen wie "ein Teekrimi verkauft sich bei uns nicht", war der Gmeiner Verlag nach Lektüre der Leseprobe interessiert. Ich solle doch bitteschön das gesamte Manuskript per Post schicken.

Und ... fast hätte ich das nicht gemacht, weil ich mir dachte: Das ist doch in Zeiten von E-Mail derart old-school, was soll denn das, schade um Papier, Ausdruck-Mühen (ich hatte keinen vernünftigen Drucker, der einige 100 Seiten packt ohne zwei Tage durchzudrucken) und dann wird's eh nix.

Ähm, ja.

Der Rest ist Geschichte, wie man so sagt. Dieser Krimi war "Schwarztee".

Und meine ... ja, jahrzehnte-langen Erfahrungen mit der Schreib- und Buchwelt gebe ich gern weiter - damit es andere vielleicht nicht von Anfang an falsch machen. Oder wieder Mut zum Schreiben sammeln. Weil jede Geschichte interessant sein kann - wenn du sie richtig, dh. gut und spannend erzählst. Oft scheitern Verlagsbewerbungen auch an den unpassenden Anschreiben oder irgendwas, das du selbst für eine Kleinigkeit hältst - im hektischen Lektoratsalltag aber zu einer Absage führt. Die nicht mal begründet ist. Und dann stehst du da und denkst: Warum?

Solche Fragen möchte ich beantworten helfen - im Lektorat, in einem Gespräch oder auch einem Mail-Austausch. Das muss nicht teuer sein - manchmal helfen eine oder zwei Stunden Beratung.

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Kommentar von Mathilde Borchers |

Habe Sie soeben gefunden - durch Ilona Butt vom Autorenstammtisch im Dobrock. Ich möchte gerne Ihr Angebot annehmen: 119 Euro für Feedback für Manuskript. Ich schrieb einen spirituellen Lebenslauf und suche einen Verleger. Mein Buch wurde in USA schon gedruckt (Ich lebte/studierte/arbeitete 50 Jahre in New York). Ich danke Ihnen für eine Antwort.
Mathilde Borchers